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„Wir sind keine Alternativmedizin“

In der Praxis von Freifühlen in der Volksgartenstraße sollen Kunden dank einer speziellen Methode lernen, einen ganzheitlichen Zugang zu ihrem Körper zu finden. Wir haben mit den beiden Praktikerinnen gesprochen.

Kerstin Grabner und Elisabeth Pucher, erfahrene Sozialarbeiterinnen und ausgebildete Praktikerinnen der Grinberg Methode, arbeiten seit 2008 in ihrer Praxis Freifühlen in der Volksgartenstraße mit dieser Methode, um Menschen freier werden zu lassen. Was vielen womöglich als Alternativmedizin erscheint, ist aber keine.

Auf der Homepage der Österreichischen Schule der Grinberg Methode, welche die beiden absolviert haben, distanziert man sich klar von jeglicher Alternativmedizin:

„Die Grinberg Methode lehrt, Aufmerksamkeit und Körperwahrnehmung zu erweitern und zu fokussieren. Sie erhebt weder den Anspruch zu heilen, Alternativmedizin oder Massagetherapie zu sein, noch versteht sie sich als Teil der helfenden sozialen Berufe oder als Ersatz für Psychotherapie. Die Grinberg Methode ist nicht für Menschen geeignet, die an lebensbedrohlichen oder schweren Erkrankungen leiden, die medizinische oder psychiatrische Hilfe erfordern. Zudem ist sie kein Ersatz für jegliche Art von notwendiger Behandlung oder gesundheitspsychologischer Beratung“. Kerstin Grabner betont: „Wie gesagt, die Grinberg Methode ist keine Alternativmedizin, weil wir eben keine medizinischen Behandlungen ersetzen können. Sie ist eine Schule der Wahrnehmung und Aufmerksamkeit von Menschen.“

Die Methode geht auf den aus Israel stammenden Avi Grinberg zurück, der sich in den 70er-Jahren mit verschiedensten Entspannungsmethoden beschäftigt hat. Dabei erkannte er, dass es am effektivsten ist, wenn man den Menschen beibringt, wie sie sich selbst heilen können. So entstand die Grinberg Methode, die in Österreich seit 1990 unterrichtet und angewandt wird. Sie zeigt Menschen, wie sie ihre selbst aufgebauten Leiden oder Einschränkungen beenden oder verändern können. Das können Beschwerden wie chronische Verspannungen, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Erschöpfung oder Stressgefühle sein. Viele Menschen haben aber auch nur den Wunsch, freier zu werden in den Beziehungen zu anderen Menschen. Die Grinberg Methode soll den Regenerationsprozess bei Krankheit oder Unfall unterstützen. Sie will durch die Arbeit am Körper aber auch gezielt Verhaltensmuster verändern. Dazu muss ihre Ursache zuerst herausgefunden werden. Danach können die KlientInnen lernen, diese Verhaltensweise zu kontrollieren und zu beenden. Das soll Energie freimachen und so das persönliche Wohlbefinden steigern. Die Methode ist rechtlich geschützt und die Ausbildung erfolgt dreijährig an speziellen Schulen.

Im Warteraum von Freifühlen wird bewusst auf ablenkende Dekorationen verzichtet.

Den Körper wahrnehmen

Kerstin Grabner und Elisabeth Pucher arbeiten mit ihren KlientInnen dabei in einem individuell gestalteten Lernprozess. In einem ersten kostenlosen Treffen wird gemeinsam mit den KlientInnen der Rahmen der gemeinsamen Arbeit definiert. Danach wird mit Berührungen, Beschreibungen, verschiedenen Instruktionen und Lektionen wie Stille, Entspannung und Atmung gearbeitet, um den Körper in seine Balance zu bringen. Eine Garantie auf Heilung der Beschwerden gibt es jedoch nicht.

Tisch und Sessel: Mehr benötigen die Praktikerinnen für die Grinberg-Methode nicht.

Die Altersspanne der momentanen KlientInnen liegt zwischen 12 und 72 Jahren. Kommen Themen häufiger vor, werden auch Gruppen-Workshops veranstaltet. Meist findet die Arbeit mit den KlientInnen aber einzeln statt, wobei die erste Sitzung kostenlos ist. Danach kann man sich für 60€ pro Stunde weiterhelfen lassen.

„Wir wollten immer in den Lend“

Apropos Geld: Wie sieht es mit dem Geschäft aus? Kerstin Grabner: „Wir sind sehr zufrieden, die Praxis ist nicht teuer. Es ist sehr nett, hier zu sein. Wir wollten immer in den Lend. Die Gentrifizierung haben wir bisher nicht zu spüren bekommen, was aber sicher auch daran liegt, dass wir schon vor dem großen Run auf den Lend da waren.“

Ob sie zu ihrer Arbeit auch Kritik bekommen? „Viele KlientInnen kommen zu uns, die bereits schlechte Erfahrungen mit anderen Methoden gemacht haben. Bei uns fühlen sich die meisten wohl, weil sie von uns zum selbstständigen Tun angeregt werden und unsere Übungen – zum Beispiel Atemübungen – im Alltag umsetzen können.“

Außerdem sei es wichtig, Angst nicht als negative Energie anzusehen. „Angst ist im Alltag immer da, sie gehört nur besser genützt.“ Wie das gehen soll? „Indem man Angst einfach zulässt. Wie das funktioniert, zeigen wir unseren KlientInnen in unseren Sitzungen  – ganz nach dem Motto: Die Angst, dein bester Freund.“